je [Komparativ], desto [Komparativ]
Von wegen
: "es gibt nichts Gutes, außer man tut es", d.h. es reicht nicht, vollendete Satzmelodien und Argumentationsketten bei anderen (großen Dichtern) zu lesen
(zum einen Ohr rein, zum anderen direkt wieder raus),
sondern man muss sie auch selbst herstellen.
Bzw. bevor SchülerInnen solche Feinheiten schaffen wie
(bzw. bevor sie sie genießen und würdigen können?),
müssen sie wohl erst mal selbst die simpelsten Satzkonstruktionen "drauf" haben.
Die "je-desto"-Konstruktion ist hier zwar nur Beispiel für viele ähnliche Argumentationen, wurde aber doch mit Absicht gewählt: eben weil sie so besonders häufig falsch gemacht wird:
"je größer, je [!] weiter",
"desto [!] größer, desto weiter"
(Nebenbei: durchaus richtig ist aber "je ... um so").
Zudem lässt sich an der "je-desto"-Konstruktion vielleicht besonders gut klar machen, was ich vorhabe bzw. vorschlage:
| die Konstruktionen regelrecht handgreiflich zu machen. |
"je-desto" beruht ja darauf, dass da zwei Komparative (größer, weiter, höher [bzw. mehr])
parallelisiert
oder gegeneinander gesetzt werden:
zu 1: "je größer der Andrang, desto mehr Geld kommt in die Kasse"
(MathematikerInnen würden von Proportionalität sprechen:
)
zu 2. "je größer der Andrang, desto weniger Platz hat jeder"
(MathematikerInnen würden von Anti-Proportionalität sprechen).
Genauso, wie ich kaum mehr glauben kann, dass das Pauken von Zeichensetzungsregeln zu einer besseren Zeichensetzung führt, glaube ich auch nicht, dass das Pauken von Grammatik
(Nebensatzarten, adverbiale Ergänzung ...)
irgendwas "bringt". Wichtig sind doch nicht die Bezeichnungen ("Kausalsatz"), sondern die - so nenne ich es mal - leibhaftig gewordenen "Argumentationsketten".
| "Wenn das Wörtchen »wenn« nicht wär, dann wär mein Vater Millionär." Vergleiche auch das schönste bzw. typischste aller deutschen Wörter, nämlich "eigentlich", das so hübsch sämtliche Voraussetzungen ("wenns") unterminiert:
|
Die SchülerInnen müssen einfach "drauf" haben:
"Wenn das Wort »wenn« erscheint, dann folgt
so sicher wie das Amen in der Kirche
bzw. mit tödlicher Sicherheit
bzw. gnadenlos wie der Hammer Gottes
ein »dann«."
| A |
| B |
| wer A sagt, | muss auch | B sagen |
| wenn dir jemand auf die eine Backe schlägt, | halte ihm auch die andere hin (Jesus) |
"Wenn du auf einer Klassenfahrt Alkohol trinkst, (dann) folgt garantiert und umgehend der Ausschluss von der nächsten Klassenfahrt."
(Ich wähle solch scheinbar pauschal gegen die SchülerInnen gewendeten Beispiele, damit die Argumentationsketten den SchülerInneN weh tun, also als gefühlte und durchlebte [statt grauer Theorie] hängen bleibt.)
Und nach diesem eiskalten Schema dann bittschön zig und hunderte von Sätzen -
| also doch (nur auf andere Art) Pauken, Bimsen, Büffeln, nur eben, indem sie die Argumentationsketten selbst herstellen! Vervollständige:
|
Und das jeweils für alle gängigen Argumentationsketten!
SchülerInneN muss z.B. auch der bodenlos radikale Widerspruchvon "aber" bzw. "sondern" klar werden - bis sie
(abgesehen von Beispielen wie "ich habe aber Hunger")
garantiert ein (diesen Widerspruch frühzeitig ankündigendes) Komma davor setzen:
"Der Schüler XY ist (zwar) fleißig, aber (bodenlos dumm)"
Insbesondere müssen die SchülerInnen Konjunktionen spüren lernen (vgl.
).
Genauso zu pauken sind ganz offensichtlich typische Wortkombinationen, damit in Klassenarbeiten nicht Folgendes auftaucht:
"Mit »Heil der Seele« verstehe ich den Seelenfrieden eines Menschen, also dass er zufrieden und glücklich ist, seinen Überzeugungen und Prinzipien treu bleibt und somit seine persönliche Lebensart für richtig empfindet."
... womit wir ein ebenso typisches wie instruktives Beispiel für verkorxte Sprache haben.
Die Frage ist allerdings, was der Grund für solch ein zerquältes Deutsch ist:
hatte der Schüler wirklich falsche Wortkombinationen in Kopf
oder macht er solche Fehler (wie so oft) nicht ohne guten Grund (vgl.
"Vom Richtigen im Falschen"):
Wollte der Schüler anfangs (richtig!) sagen?:
"Mit »Heil der Seele« meine ich ...",
"... dass er [...] seine persönliche Lebensart für richtig hält."
Und hat er beim Schreiben einen Schwenk gemacht
(man könnte böse sagen, dass der Schüler ganz offensichtlich ein Gedächtnis wie ein Sieb bzw. von 12 Uhr bis mittags hat, wenn er schon vier bzw. zwei Wörter später nicht mehr weiß, wie er angefangen hat)
und nicht nachträglich im Satz zurück geschaut (ihn nochmals von Anfang an gelesen) und dann verbessert?:
"Unter »Heil der Seele« verstehe ich ...",
"... dass er [...] seine persönliche Lebensart als richtig empfindet."
Es ist allerdings auch ein bisschen viel verlangt, dass SchülerInnen genau das können sollen, was ein Schriftsteller nie tut: auf Anhieb richtig schreiben.
Deshalb meine Empfehlung: Klassenarbeiten in der Folgestunde (allerdings nur sprachlich) nachbessern lassen! Das (eigentliche?) Problem ist allerdings: einige SchülerInnen merken auch dann nichts, bzw. ihre Sprache (wie auch der Unterricht und die Zensur?) ist ihnen herzhaft egal.