Deutsch ist eine so herrlich bescheuerte Sprache
Für viele Ausländer hört sich wohl das gesamte derzeitige Deutsch so knorrig an wie für uns heute etwa das Lutherdeutsch. Kein Wunder, dass die Deutschen in "Asterix und die Goten" noch in Fraktur sprechen.
Wenn ich mich schon entscheiden soll, so ist für mich das schönste deutsche Wort
Knopfloch
.
Was für ein Zungenbrecher für Nichtdeutsche
(und was für ein Nationalstolz
, dass "wir" sowas aussprechen können)!:
anfangs dieses knarzende "kn"
(das ein Engländer eh nicht aussprechen kann; vgl. "I know" oder "Mark Knopfler": beides Mal wird das "k" im gesprochenen Wort einfach unterschlagen),das doppelte grausig-hohle "o"
(vgl. "durch diese hohle Gasse muss er kommen" aus Schillers "Wilhelm Tell" sowie "O! o! o! totus floreo!" aus den Carmina Burana),das (p)furzende "pf",
und sowieso das guttural erstickende "ch"
(vgl. "Munich" [gesprochen "Mjunik"] statt "München"),so dass ein Engländer insgesamt vermutlich "Noplok" :-) sagen würde.
Ich habe mich derart heftig in das Wort "Knopfloch" verliebt, dass ich nun im Rahmen von
"Die klangvollste Sprache der Welt ist mir die deutsche." Jorge Louis Borges.
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die "Patenschaft" für dieses Wortes übernommen habe:
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(Westfälische Nachrichten, 21.3.06)Entsprechend diesen Vorgaben verpflichte ich mich hiermit nun, "das[...] Wort ["Knopfloch"] möglichst oft zu verwenden und es vor dem Aussterben zu bewahren":
Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch
Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch
Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch Knopfloch KnopflochUnd nun komme ich mir glatt vor wie der Robin Wood des Wortes "Knopfloch"!
(Ich befürchte allerdings, dass im Zeitalter der "Schnürsenkel-Analphabeten", also des Klettverschlusses, mit dem Ding auch das Wort "Knopfloch" längst endgültig zum Aussterben verurteilt ist. Und schon habe ich eine Träne im Knopfloch.
Nebenbei: ein gewisser Arndt Leininger aus Dortmund hat dankenswerterweise schon die Patenschaft für das Wort "Scheiße" übernommen und damit hoch und heilig versprochen, es "möglichst oft zu verwenden und [...] vor dem Aussterben zu bewahren", denn das Aussterben dieses ach so gefährdeten Wortes bzw. seine Ersetzung durch - igitt! - den Anglizismus
wäre doch wirklich - was wohl?! Vgl. auch
TAZ, 28.2.06, "Aus 'Scheisse' Geld machen".)
Mein zweiter Kandidat für das bescheuertste deutsche Wort ist das herrlich verknurzelte
nichtsdestotrotz.
Gibt es überhaupt eine andere Sprache, in der man durch ewiges Dranhängen so schöne Endloswörter bauen kann wie im Deutschen, nämlich z.B. "Toilettenfraufortbildungsleitertreffen"?
Und dann die dadurch möglichen grandiosen Wortneuschöpfungen! Es gibt hunderte und tausende von Beispielen, mit einem einzigen sei angefangen:

Ach, dieses Wort "Neuanschmutzung" muss man sich doch auf der Zunge zergehen lassen:
schon allein das Substantiv "Schmutzung"
(vgl. Gerhard Polt alias Grundwürmer über seine frisch importierte Thai-Frau Mai Ling:
"Grüß Gott, sag einmal schön Grüß Gott, Mai Ling! Hähä sag einmal schön Grüß Gott! Ich hab sie erst seit drei Wochen, net. Mai Ling heißt s'. Das heißt also... ich heiß ja Grundwürmer, also Mai Grundwürmer, geborene Ling. 2785 Mark und a bissel was - ab Bangkok Airport, also, hab ich bezahlt, hab ich kommen lassen. Das ist relativ preiswert, allerdings also... 500 D-Mark mehr, wenn ich draufgelegt hätt, dann hätt ich 'ne Vietnamesin haben können. Also, ich mein, die san noch etwas robuster, sagen s', aber da gehen natürlich die Meinungen auseinander.
Jetzt schaun Sie s' an, sie ist doch nicht schlecht, oder?
Und sie ist auch ausgesprochen sauber. Sie schmutzt nicht, wie der Asiate an und für sich nicht schmutzt.")
dann An- statt Verschmutzung
und zuguterletzt auch noch das "Neu" davor.
Solche Wörter wären es allemal wert, dass man sie gehörig in Szene setzte, also z.B.

Ich fordere für jedes so hübsch verkorxte, urdeutsche Wort ein eigenes Museum zu je 10 Millionen Euro. Dann sieht der Steuerzahler wenigstens mal anschaulich und an allen Ecken den Gegenwert von 10 Millionen Euro Steuergeldern.
Eigentlich
(vielleicht das bezeichnendste deutsche Wort: "eigentlich müsste ich ja arbeiten, aber ...")
müßig zu erwähnen, dass Schriftsteller an solchem Sprachmaterial ihre ungeheure Freude haben.