Mit "Grundkurs" ist hier
weniger ein bestimmter Kurstypus in der gymnasialen Oberstufe
(im Gegensatz zum Leistungskurs)
als vielmehr eine Einführung gemeint:



Dennoch wird mit "Grundkurs Deutsch" auf das Schulfach "Deutsch" angespielt.
(... wobei der nationale, "deutsche" Aspekt "nur" insofern eine Rolle spielt, als nun mal die deutsche Sprache unsere geistige Heimat ist. Aber selbstverständlich ist die reine "Nationalliteratur" eine pure Fiktion: als wenn sie nicht in permanenter Osmose mit "außen" stünde.
"Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land."
[Bert Brecht])
"Grundkurs" bedeutet aber vor allem, dass ich einige Perspektiven von Sprache und Literatur ausleuchte:

Es soll "nur" ein Staunen über die Vielgestaltigkeit und Vieldeutigkeit von Sprache und Literatur angeregt werden, wäre aber anmaßend bis geradezu absurd, das Lebewesen Sprache/Literatur erklären zu wollen.
Denn da Literatur, Sprache und Kunst ja Inbegriffe der potentiell unendlichen Vieldeutigkeit und oftmals nur scheinbaren Widersprüche sind, würden erst unendlich viele Perspektiven zusammen "den" Gegenstand halbwegs erfassen.
Schon ein Einzelgedicht ist niemals durch "die" (umfassende, alles "erschlagende") Interpretation erfassbar
(bzw. sie könnte nur identisch mit dem Gedicht sein),
sondern
es konstruiert
(wie genau, mit welchen Mitteln und Wörtern?)
einen "Korridor" aus
einerseits Möglichkeiten und Vieldeutigkeiten,
andererseits Begrenzungen
(so dass man eben nicht "frei Schnauze" alles und jedes rein[!]interpretieren darf;
man interpretiere am besten immer nur "raus"!),
und steht gleichzeitig immer schon in verschiedenen "Korridoren"
seiner Entstehungszeit und deren teilweise auch dem Autor unbewussten Prämissen,
der heutigen Lektürezeit.
Und dann erst mal alle (auch die noch "ungeborenen") Gedichte zusammen!
Literatur (alle Bücher zusammen) ist die potentiell umfassendste Wissenschaft, weil sie - was auch eine Herausforderung ist! - alle anderen Wissenschaften mit hinein nehmen kann.
Literatur ist der Generaleinspruch gegen die "schlauen Sprüche"
. Vielmehr stellt sie diese (und auch die Ängste und Hoffnungen) systematisch auf den Prüfstand des konkreten (wenn auch fiktiven) Lebens, d.h. sie "bringt Fleisch an die Knochen" und lässt die Sprüche sich an der Erzählung wund reiben (bewähren, scheitern, verwandeln, differenzieren ...):
eine Figur und eine alltägliche (private, berufliche, gesellschaftliche ...) Situation, insbesondere aber einige unvorhergesehene Zwischenfälle,
oder zwei Figuren mit hübsch unterschiedlichen Lebensgeschichten (z.B. Eheleute),
oder einen schlauen Spruch und einige "Umstände",
schütte sie zusammen, rühre kräftig um - und beobachte die verschiedensten chemischen Reaktionen:

Keine Frage: solches Experimentieren (wenn auch mit fiktiven Figuren) hat etwas Genüsslich-Gehässiges an sich (ein Autor kann schalten und walten wie ein bösartiger Gott). Wenn ein Autor aber gleichzeitig seine Figuren, um sie zu verstehen, auch lieben muss, so wird verständlich, dass viele Autoren ihre Tätigkeit manchmal geradezu als pervers empfinden:
