Georges Simenon

"Von literaturwissenschaftlicher Seite nähert sich Heiner Stauff auf seiner Webseite dem Phänomen Simenon. [...] ein Besuch auf der Seite lohnt [...] auf jeden Fall!"

 

Simenon
Maigret
Simenonseiten im Internet
PS: Verfilmungen

"Mon petit Sim[enon], [...] Sie dürfen keine Literatur schreiben. Keine Literatur! Streichen Sie alles Literarische, dann kommen wir der Sache näher."

Colette

(Gerade weil Simenon diesen Ratschlag so wohltuend rigoros befolgt hat [was eine enorm wichtige literarische und "Lebens-"Schule ist!], ist man versucht, auch noch die ab und zu sogar bei ihm auftauchende Sprachschlacke zu entfernen.)

"Der Mensch ist derart schlecht für das Leben ausgerüstet, daß man fast einen Übermenschen aus ihm machen würde, wenn man in ihm einen Schuldigen - statt ein Opfer - sähe."

Georges Simenon

"Eine Romanfigur ist irgend jemand auf der Straße, irgendein Mann oder eine Frau. So, wie wir sind, haben wir alle menschlichen Instinkte in uns. Doch von diesen Instinkten unterdrücken wir zumindest einen Teil aus Anständigkeit, Klugheit oder Erziehung in uns, manchmal auch nur, weil wir keine Gelegenheit haben, anders zu handeln. Die Romanfigur dagegen geht bis zum äußersten ihrer selbst, und meine Rolle als Romancier besteht darin, sie in eine Situation zu bringen, in der sie dazu gezwungen wird. Es ist nicht nötig, eine Geschichte zu finden. Einfach nur die Menschen, die menschlichen Wesen in ihrem Rahmen und in ihrer Stimmung. Der kleine Anstoß, der sie in Bewegung setzt."

Georges Simenon

"Der Roman, das ist der Mensch, der Mensch in seiner ganzen Blöße und der bekleidete Mensch, der Alltagsmensch und manchmal das schreckliche Drama zwischen dem bloßen und dem bekleideten Menschen, zwischen dem ewigen Menschen und dem Menschen einer bestimmten Erziehung, einer Kaste der eines Augenblicks der Welt, vor allem aber ist er das Drama des Menschen in den Händen seines Schicksals."

Georges Simenon

"Simenon, das bedeutet Weltrekord. Er ist der erfolgreichste Autor des Jahrhunderts."

[Nun,  solche Zeiten sind wohl endgültig vorbei: heute siegen ganz andere Bücher am Markt (z.B. Stephen King verkauft sicherlich erheblich mehr). Das gilt es ohne Sentimentalität und nostalgische Gegenwartskritik erstmal nur festzustellen: "Simenon" war Weltrekord nur des letzten Jahrhunderts bzw. von dessen ersten 2/3. Sein Werk schildert eine (vermeintlich?) versunkene, "langsame" Welt.]

Kaum jemand hat das Phänomen "Simenon" so treffend erfasst wie Michael Althen in "Die Zeit":

"[Simenons] Romane sind Nachrichten aus einer Welt, in der das Wünschen noch nie geholfen hat. Es gibt kein Mitleid in diesen Zeilen [und doch große Sympathie!] und keine Erklärungen. Simenon [ist] immer auf der Suche nach jenem Moment, wo das Leben zur [fatalen] Gewohnheitssache geworden ist."

"Simenons Fabeln, fürs große Publikum ebenso wie für die >Feinfühligen, die Raffinierten< (Gide) geschrieben, sind Psychographien von ziemlich gewöhnlichen Menschen, die durch Flucht, Revolte oder Zufall ihrem Alltagsleben entrissen werden und kämpfend der unvermeidlichen Katastrophe entgegentreiben."

Der Spiegel

"Simenon saugte Leben in sich hinein, um es in seinen Werken hernach eiskalt und stückchenweise wieder von sich zu geben. Einzigartig die Gradlinigkeit und Konsequenz seines Stils."

Walter Kempowski

"Simenon stößt [...] zu einer Wahrheit vor, die vor ihm kein anderer Romancier in so grelles, fast unerträgliches Licht getaucht hat."

Fran&ccdil;ois Mauriac

"Georges Simenon ist der wichtigste Schriftsteller unseres Jahrhunderts."

Gabriel García Márquez

"Simenon ist eine Sucht, der man immer mehr und mit wachsendem Genuß verfällt ... Simenons Geschichten sind alle mit bewundernswert logischer Strenge aufgebaut, aber das Merkwürdige ist, daß man sich nach einem Jahr nicht mehr an die Handlung erinnert. Was zurückbleibt, ist bloß ein Eindruck, ein unverwechselbares, sehnsüchtiges Gefühl, und dieses Gefühl lockt einen, das Buch noch einmal und noch ein zweites Mal wiederzulesen. Man gerät in eine beinahe unbegrenzte Umlaufbahn des Lesens hinein, so daß Simenon dauert, so lange man nur will, einen das ganze Leben begleitet, sich mit dem eigenen Leben verbindet."

"Ich konnte nie glauben, dass Simenon wirklich existiert. Seine ungeheure Produktion, mein immer neues Staunen über die Vollkommenheit seiner Erzählungen, die psychologische Genauigkeit seiner unendlich vielen Figuren, die Eindrücklichkeit der Landschaftsbeschreibungen vermittelten mir stets das Bild eines hinreißenden Schriftstellers, das aber so ungreifbar und unbestimmt blieb wie etwa das Bild des Frühlings, des Meeres, das Bild von Weihnachten, das Bild von Erscheinungen, Wesenheiten, Naturelementen, Umständen, Konventionen? Bilder, die man mit Vergnügen und unbewußtem Wohlbehagen in sich aufnimmt und erlebt, ohne daß sie imstande wären, die Begriffe in ihrer Dinghaftigkeit und Identität vollständig zu verkörpern.

"Wie viele Eisenbahnfahrten mit Simenon, wie viele Rekonvaleszenzen mit seinen gierig verschlungenen Geschichten, mit seinen Büchern neben sich im Bett - seine Landschaften, seine Personen, seine Atmosphären, die Farben, die Gerüche, der unaufhaltsame Fluß seiner wahren oder erfundenen Erinnerungen, eine wohlige Wärme, ein Stück warmer Menschlichkeit, ein langer, fließender, wohltuender Traum, der dem Leben gleicht und uns vielleicht helfen will, das wirkliche Leben zu deuten, zu lieben und zu leben."

"Simenon ist Teil der Geschichten, die wir im Traum erleben und mit denen er wie ein Magier wahre Wunder vollbringt."
 

Federico Fellini

"Simenon ist einer der größten Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts."

"Schon Zola und andere haben die Unterprivilegierten zum Thema ihrer besten Werke gemacht. Aber erst Simenon ist es gelungen, diese Massen als Leser zu gewinnen."

Jürg Altwegg

"Der Balzac ohne Speck - sein Stil ist einfach, gewandt und so klar, daß der Leser immer genau das sieht, was Simenon ihn sehen lassen will, aber nie ganz versteht, wie Simenon ihn das sehen macht."

Time Magazin

"Süchtig nach Simenon wird man rasch, André Gide, einer der ganz großen Verehrer, prägte dafür den Begriff >Simenonitis<."

Neue Zürcher Zeitung

"Simenon machte mit der Sprache, was Hitchcock mit den Bildern: ganz einfache eine Geschichte erzählen... Simenon macht süchtig. Nach zwei, drei Romanen kommt man von ihm nicht mehr los."

"Simenon ist ein Meisterstilist in einfachster Sprache. Seine Romane sind wie eine Droge."

"Um die Erkenntnis, dass Georges Simenon, der weltberühmte Volks- und Erfolgsautor, ein hervorragender Schriftsteller ist, dessen Romanwelt einen ganzen Kosmos bildet, muss längst nicht mehr gerungen werden."

Fran&ccdil;ois Bondy

"Mit den Augen eines Malers sieht Simenon auf seine Figuren - und im Kopf des Lesers entstehen Bilder. - Eine Wirklichkeitsnähe, die beunruhigend ist."

Dorothea Westphal

"Mein ganzer Vortrag zielt darauf ab zu beweisen, daß Simenon weit bedeutender ist als gemeinhin angenommen ..., daß Simenon heute unser größter Romancier ist."

"Das unbestimmte Erfassen eines reicheren, gehaltvolleren, erfüllten Lebens, dessen, was das Leben sein könnte, quält viele Figuren Simenons."

"Die Sujets von Simenon sind häufig von hohem psychologischem und ethischem Interesse; doch ungenügend bestimmt; als ob er sich selbst über ihre Wichtigkeit nicht klar wäre; als ob er erwartete, in der Andeutung verstanden zu werden. Dadurch zieht er mich an und fesselt er mich."

"Georges Simenon ist heute unser größter Schriftsteller, und zu dieser Überzeugung werden außer mir auch schon noch andere kommen."

André Gide

"Ich möchte Simenon danken. Was ich kann, habe ich von ihm gelernt. Er war mein Lehrer - sind wir nicht alle jemandes Schüler?"

"Und dann würde ich gern ein wenig den Ruhm meines Lehrers singen, Georges Simenons, der den Kriminalroman nicht logisch deduktiv - also cartesianisch oder kantisch, wie Sie wollen - aufbaut, sondern bergsonisch. Nicht deduktiv, sondern induktiv. Nicht aus Tatsachen das Schlußresultat absummieren, sondern aus der Atmosphäre, aus der Psychologie der Handelnden die Lösung blühen lassen."

"Simenon ist ein Mensch, der mit der Regelmäßigkeit eines Federviehs allmonatlich seinen Roman legt. Die Romane sind fast alle nach dem gleichen Schema geschrieben. Aber alle sind sie gut. Es ist eine Atmosphäre darin, eine gar nicht billige Menschlichkeit, ein Soignieren des Details ..."

Friedrich Glauser

"Ich lese jeden neuen Roman von Simenon."

Walter Benjamin

"Wie der Name Picasso ist der Name Simenon zu einem Gattungswort geworden. Wenn man eine diffuse, von grauen Regenschleiern verhangene Atmosphäre beschreiben will, sagt man da nicht unwillkürlich >eine typische Simenon-Stimmung<? Wer es soweit gebracht hat, dessen Beliebtheit kennt wahrlich keine Grenzen."

Le Livre

"Das Phänomen Simenon - ein heute vielleicht einzigartiges Erzähltalent."

Jean Amery

"Er habe auf seinen Reisen in den zwanziger und dreißiger Jahren nicht das Exotische und Pittoreske, sondern im Gegenteil >das, was bei allen Menschen gleich ist< gesucht. Er habe sich auf die >Suche nach dem nackten Menschen< begeben, schrieb Simenon 1960 an Albert Sigaux, die Suche nach dem illusionslosen, dafür aber klarblickenden Menschen, der >sein Elend und seine Ängste offenlegt und bemüht ist, sie zu analysieren und zu verstehen, um davon freizuwerden.<"

Hanns Grössel

"[...] welch eine unterhaltsame Lektüre! Welch ein Erzähler! Welch eine literarische Potenz!"

ORF

"Simenons Bücher erreichen nie einen quälenden Umfang: Sie sind Lektüre für einen Abend und Lektüre für das ganze Leben."

"Georges Simenon ist weitaus mehr als der erfolgreichste europäische Kriminalromanautor dieses Jahrhunderts und einer der anregendsten psychologisch-philosophischen Schriftsteller der Gegenwart, mehr sogar als ein großer Dichter. Sein Werk vereinigt Zeit- und Menschenschilderungen zu einem überzeitlich ewigen Bild der Liebe des Menschen zu den Mitmenschen, so unmöglich sie einem mitunter auch vorkommen mag. Simenon ist der Psychoanalytiker unter den Dichtern, der Dichter unter den Philosophen."

Aharon Moshel

"Eines hat Simenon immer vermieden, und das hebt ihn von anderen Realisten des 20. Jahrhunderts ab: Er hat nie bewertet. Zugleich hat er aber gerade damit den bürgerlichen Menschen des 20. Jahrhunderts ein Denkmal gesetzt. Sollte es einmal interessant sein zu wissen, wie der Bürger in diesem Jahrhundert gelebt hat (falls es überhaupt noch dazu kommt), wird man Simenon lesen müssen."

Vox

"Das Phänomen unserer Zeit."

"Simenon ist nicht nur der größte Erzähler unserer Tage. Seine Spannweite, seine Vielseitigkeit und allein schon seine Produktivität verblüffen seine Anhänger und versetze seine Kritiker in Rage."

Patricia Highsmith

"Er ist ein Monarch. Sein Königreich ist die unzählbare Zahl seiner Leser überall auf der Welt, die Nacht für Nacht seiner bedürfen: die glücklichen Schlaflosen, die keines seiner Bücher aus der Hand legen können, bevor sie es nicht in einem Zug von Anfang bis Ende ausgelesen haben."

"Simenon ist ein Schriftsteller, der aus der Reihe tanzt, wie alle wissen. Er ist einmalig, nicht nur heute, sondern zu jeder Zeit. Man muß bis Loper de Vega zurückgehen, um einen geeigneten Vergleich zu finden."

Henry Miller

"Kein Leser kann die von Simenon provozierten Schlußfolgerungen ziehen, ohne sich selbst so nüchtern zu sehen wie Simenon seine Personen: Wer Simenon liest, der wird gezwungen, sich selbst zu ertappen. Seinen Lesern fügt Simenon den wollüstigen Schmerz zu, der mit Selbsterkenntnis verbunden ist. Wer im 21. Jahrhundert erfahren will, wie im 20. Jahrhundert tatsächlich gefühlt worden ist, muß Simenon lesen. Andere Autoren mögen mehr wissen über die Gesellschaft. Über den einzelnen Menschen weiß keiner so viel wie er."

"Klassisch ist die Klarheit der Prosa: lauter einfache Sätze, und jeder Satz stellt etwas Neues fest und bringt die Geschichte weiter."

"Simenon ist das Genie des Ungenialen. Er ist der illusionslose Verkünder der unfrohen Botschaft, daß der Mensch meist unglücklich und oft untröstlich ist: Das Glück des Simenon-Lesers ist die Kommunikation mit dem allgemeinen Unglück. Simenon, dieser kleinbürgerliche Sophokles des 20. Jahrhunderts, folgt seiner Überzeugung, >daß die Tragödie unserer Zeit der Roman ist<: Er hat den König Ödipus im Gemüsehändler entdeckt. Simenon ist der letzte Tragiker in einer Welt,die sich die Tragödie verboten hat, weil sie sich davor fürchtet, ihre Illusionen zu verlieren ... So ist es höchste Zeit, auszusprechen, daß er einer der großen Autoren unseres Jahrhunderts ist."

"Simenon macht süchtig. Wie jede Sucht - und wie jeder Genuß - muß die >Simenonitis< erst gelernt werden. Man braucht mindestens ein halbes Dutzend Simenon-Romane, bis man ihren Reiz verspürt, bis man unter Entzugserscheinungen leidet, wenn der Nachschub aussetzt. Simenon ist ein Rauschmittel, das ist eine der Ursachen seines Welterfolgs."

"Wichtig ist nicht Simenons Verständnis für Probleme, sondern für Menschen, die unfähig sind, ihre Probleme zu lösen. Simenons erstaunlicher Welterfolg ist der erstaunliche Welterfolg des Unhappy End."

Georg Hensel

"Lese einen Kriminalroman von Simenon ... Er hat ein seltsames Talent, das die Franzosen beinahe verloren haben, aber alle Engländer haben es: das der genauesten Präzision."

"Dieser Mann hat die große und so seltene Gabe des epischen Erzählers, ohne etwas zu erzählen. Seine Geschichten haben meist gar keinen Inhalt, schon gar keine Fabel, kaum einen Knoten, der so dünn ist, so dünn ... Und Du kannst das Buch nicht aus der Hand legen - es reißt Dich, du willst wissen, wie das weiter geht, aber es geht gar nicht weiter. Es kommt auch nichts dabei heraus. Doch ist seine Gabe, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, nicht alltäglich. Er ist ganz leer, aber mit welchen Farben ist dieser Topf bemalt!"

Kurt Tucholsky

"Simenon arbeitet aus der Masse, aus dem Block heraus. Er packt das Leben mit beiden Händen. Was nicht zu leugnen ist: Ein Buch von Simenon interessiert jeden Menschen. Den Taxichauffeur, das Mädchen für alles, ihre Gnädige, den Schlosser wie den Literaten und Intellektuellen."

Maurice de Vlaminck

"Simenon arbeitet [...] mit einem mikroskopisch kleinen Raster, den er mit hoher Kunstfertigkeit so sacht verschiebt, daß die Unschärfe des wahrgenommenen Bildes der Realität sich jeweils nur um winzige Nuancen verändert."

Jochen Schmidt

"Ein >echter< Simenon - was bedeutet das? Den meisten Lesern die sichere Garantie für gute Unterhaltung. Jenen Kritikern, denen die Rekordzahl der Firma Simenon - in wenigen Tagen geschrieben, in wenigen Stunden gelesen, entsprechende Produktionsmenge und Auflagenhöhe - Symptome für mangelhafte literarische Qualität sind, kann Simenon längst gewichtige Stimmen von Gide bis Andersch, von Keyserling bis Fellini entgegenhalten, die in ihm den Balzac unserer Tage, den Zola unserer Welt rühmen ... Von Simenons Romanen läßt sich vermuten, daß ihre Bedeutung als Spiegel unserer Zeit für kommende Generationen noch wachsen wird."

Christa Melchinger

"Da lesen ihn die Hausfrauen und die experimentellen Lyriker; es lesen ihn die Stenotypistinnen und die Mythenforscher, die Automechaniker und die Atomphysiker... o ja, ich kenne Texte-Verfasser von höchster Esoterik, die, wenn sie einmal ein Buch lesen wollen, ein richtiges Buch, Simenon lesen und nichts als Simenon, jede Zeile von ihm."

"Modelle feinster psychologischer Schilderung, unheimlicher Seelenkenntnis und dichtester Zeichnung von Umwelt und Epoche, in einer Sprache ohne Sentimentalität, wenn auch von großer Humanität, in einem hämmernden, schmucklosen, von knisternder Spannung erfüllten Stil, an dem er viele Jahre seines Lebens bis zur Vollendung gearbeitet hat."

Alfred Andersch

"Georges Simenon, der weltbekannte, vielbewunderte Autor, hat die >Gattung< des Kriminalromans entscheidend erneuert, gelang es ihm doch, mit Hilfe seiner Figur eine Erzählinstanz zu schaffen, die zum >nackten Menschen< vorstößt."

Neue Zürcher Zeitung

"Wie wenige konnte Simenon nicht nur erfinden, sondern auch erzählen. Wie wenige wußte er um die Dramaturgie der Szenen und Entwicklungen - um die Zeit. Denn Simenon war zwar ein Porträtist der modernen Gesellschaft. Aber er versah seine Stoffe mit dem diffusen Licht, das aus dem Alltag kommt. Er gestaltete das Allzumenschliche - und das Allzumenschliche bleibt sich gleich."

Martin Meyer

"Wissen Sie, daß der beste Krimi-Autor dieser Tage ein Belgier ist. Er heißt George Simenon. Warum er der Beste ist? Weil er etwas von Edgar Allen Poe hat."

Dashiell Hammett

"Seine Beschreibungen sind von beklemmender Zwangsläufigkeit und Dichte."

Jürgen Busche

"Bekannter unbekannter Simenon - der Literat mit Auflagenrekord ist eine irritierende Erscheinung unter den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Millionen Leser rund um den Erdball kennen seinen wortkargen, biertrinkenden Kommissar Maigret. Nachzuholen haben deutsche Leser das Erlebnis und den subtilen Genuß der rund 130 sogenannten >Non-Maigret-Romane<, die zu den Meisterleistungen der zeitgenössischen Weltliteratur zählen. [...] Was soll man von Simenon lesen? Die Antwort lautet: Alles!"

taschenbuch magazin

"Simenons Geschöpfe sind die Protagonisten einer Krise, die meistens mit der Entdeckung einer grundlegenden, unerwarteten (oder ins Unterbewußtsein verdrängten) Wahrheit verbunden ist. Mit einer Entdeckung, die den Sinn eines Lebens verändert, indem sie aus diesem Leben ein Schicksal macht."

Gilbert Sigaux

"Das absurde Geschwätz der Objektivisten. Simenon ist nicht in seinen Büchern. Er ist objektiv. Aber natürlich ist er in seinen Büchern. In seiner Wahl der Charaktere, in seiner zwanghaften Beschäftigung mit dem Untergang, dem Verbrechen, dem Krankhaften, der Zerstörung. In seiner Düsterkeit. Wie selten sind die Augenblicke der Freude, der Begeisterung, der Liebe. Er malt wirklich das Negative. Es ist perfekt geschildert, perfekt motiviert. Aber immer kommt es zur Katastrophe. [...] die Ungerechtigkeit [...] Des Menschen sexuelle Knechtschaft, und keine Liebe. Natürlich ist Simenon dort. Immer dort. Seine Verkleidung ist gerissener, das ist alles."

Anais Nin

"Für mich ist Simenon nicht nur der beste zeitgenössische Krimiautor, sondern einer der besten Schriftsteller überhaupt. Die meisten sogenannt großen Schriftsteller können Simenon nicht das Wasser reichen. Viele Kritiker sind ihm gegenüber voreingenommen, weil er Krimis schreibt. Doch brauche ich nicht zu unterstreichen, daß so mancher gute Ruf auf literarischem Vorurteil und Snobismus basiert. Simenon schreibt fast ausschließlich Krimis, und darin ist er unübertroffen. Ich gebe ehrlich zu, daß ich jedesmal, wenn ich Simenon lese, Blut und Wasser schwitze und mich staunend frage, wie in aller Welt er mit solch offenkundiger Leichtigkeit und Sparsamkeit der Mittel solche Meisterwerke zustande bringt. Wenn Simenon kein erstklassiger Schriftsteller ist, dann habe ich keine Ahnung vom Schreiben und gehe am besten zurück auf meine Farm."

W. R. Burnett

"Die Kriminalgechichten von Raymond Chandler, und noch mehr jene von Georges Simenon, haben ernste Anliegen und eine Lebensnähe, die sie auf eine Stufe heben, die man Literatur nennt ... Sie führen uns in eine harte, aber nicht unmenschliche Welt. In ihren Büchern wird die Kriminalgeschichte mündig, wird sie zum Roman."

Luke Parsons

"Synchronizitäten und Handlungen aus gemeinsamem Unbewußten heraus können beglückende Erfahrungen sein und ein Gefühl höherer Verbundenheit und Sinnhaftigkeit eigenen Handelns vermitteln. Es gibt aber auch unheimliche Entwicklungen, in denen kollektives Unbewußtes in einer eigenen Zwangsläufigkeit ins Verderbern führt. Georges Simenon ist ein Meiser in der Darstellung solcher Prozesse, die scheinbar ganz alltäglich und banal beginnen, in einer Weise, wie sie jeder erlebt, und allmählich zeichnet sich ein Gefangensein in einem Netz ab, das sich langsam auf einen Punkt hin zusammenzieht, wobei die Protagonisten Zug für Zug sich so verhalten, daß das Unvermeidbare eintreten muß."

Jürg Willi

"Ich lese gerne die Kriminalromane von Simenon. Die erinnern mich an Tschechov."

William Faulkner

"Simenons Bücher sind, wie er selbst mit Befriedigung festgestellt hat, in einem >nackten Stil< geschrieben, und an ihnen ist, wie einst Alfred Polgar es von Hemingway gesagt hat, >kein Gramm Literaturfett<."

"Mit Simenon ist ein Gigant der Literatur abgetreten, ein Autor, der Millionen Leser fand und sie gefesselt, bezaubert, berauscht und beruhigt hat."

Hanjo Kesting

"Simenon ist tot. Aber merkwürdig: das literarische Werk bleibt davon unberührt. Er steht längst da, ein Monument, losgelöst von allen persönlichen Signaturen der Autorenschaft - als hätte es sich selbst geschrieben."

Martin Meyer

"Die Kriminalgeschichten von Raymond Chandler, und noch mehr jene von Georges Simenon, haben ernste Anliegen und eine Lebensnähe, die sie auf eine Stufe heben, die man Literatur nennt... Sie führen uns in eine harte, aber nicht unmenschliche Welt. In ihren Büchern wird die Kriminalgeschichte mündig, wird sie zum Roman."


Luke Parsons

 


ein für jeden Simenon-Maigret-Liebhaber unverzichtbares Buch

siehe auch

Maigret zu Simenon:

"Wissen Sie, daß Sie in den letzten Jahren angefangen haben, auf die gleiche Weise zu gehen, die Pfeife zu rauchen, ja sogar zu sprechen wie Ihr Maigret?"

Simenon zu Maigret:

"Etwas echter machen, als es ist, da ist das ganze Geheimnis. Sehen Sie, und deshalb habe ich Sie echter gemacht, als Sie sind."

Maigret:

"Simenon hat [...] in einem seiner Bücher vom >Schicksalsflicker< gesprochen. Den Ausdruck hat er nicht erfunden, ich muß ihn einmal im Gespräch mit ihm verwendet haben. [...] Und alle [...] menschlichen Dramen, von denen ich hörte, all das Scheitern und Versagen erfüllten mich mit zorniger Verzweiflung. Konnte denn niemand etwas dagegen tun? Mußte man sich damit abfinden, daß es nirgends einen Menschen gab, der klüger oder erfahrener gewesen wäre als die anderen, so etwas wie ein Hausarzt, dachte ich, [...] der nicht versagt hätte, der fähig gewesen wäre, seinem Mitmenschen sanft, aber bestimmt zu sagen:

>Du bist auf dem falschen Weg. Wenn du so weitermachst, gibt es unweigerlich eine Katastrophe. Dein Platz ist hier, nicht dort!<

Das war es, glaube ich: Ich hatte das dumpfe Gefühl, zu viele Menschen seien nicht an ihrem Platz, sie bemühten sich, eine Rolle zu spielen, der sie nicht gewachsen waren, und deshalb sei die Partie für sie von vornherein verloren. Man soll aber ja nicht denken, ich selber hätte jemals eine solche Gottvater-Figur werden wollen."

Maigret:

"Hier haben wir die gleichen wohlanständigen Herrschaften vor uns, die uns zu einem anderen Zeitpunkt fragen würden: >Ekelt es Sie nicht manchmal an?"< Sie ekeln uns an, ja. [...] Eine ganze Lackschicht von Respektabilität muß nach und nach zum Zersplittern gebracht werden. Mehr oder weniger abstoßende Familienverhältnisse, die jeder wie auf Verabredung vor uns verbirgt, müssen unbekümmert um Proteste und Drohungen ans Tageslicht befördert werden. [...] Wenn man die Herrschaften endlich soweit hat, daß sie gestehen, dann kommen die widerlichsten Dinge zum Vorschein, noch mehr aber, und eigentlich fast immer, die Angst vor den Folgen. >Es ist doch unmöglich, nicht wahr, daß unsere Familie in den Schmutz gezogen wird?<"

Maigret:

"Ich bin fast mein ganzes Leben lang Beamter gewesen. Ich bin es [...] schon an der Schwelle zum Erwachsensein geworden.
So wie mein Vater seinerzeit Schloßverwalter geworden ist. Mit dem gleichen Stolz. Mit dem gleichen Willen, meinen Beruf in- und auswendig zu kennen und meine Pflicht gewissenhaft zu erfüllen.
Der Unterschied zwischen den anderen Beamten und denen vom Quai des Orfèvres [den Polizisten] besteht darin, daß die letzteren gewissermaßen zwischen zwei Welten balancieren.
In ihrer Kleidung, Ausbildung, Wohnung und Lebensweise zeichnen sie sich durch nichts vor anderen Bürgern des Mittelstandes aus, und wie diese träumen auch sie von einem kleinen Haus auf dem Land.
Nichtsdestoweniger verbringen sie den größten Teil ihrer Zeit im Kontakt mit der Kehrseite der Menschheit, dem Abfall, dem Abschaum, ja dem Feind der organisierten Gesellschaft.
Das hat mir oft zu denken gegeben. Ich empfinde diese Situation als sonderbar, bisweilen sogar als unheimlich.
Ich lebe in einer bürgerlichen Wohnung, wo leckere Düfte aus brutzelnden Töpfen mich abends erwarten, wo alles einfach ist und klar, sauber und gemütlich. Von meinen Fenstern aus sehe ich lauter Wohnungen, die so sind wie meine, Mütter, die ihre Kinder auf dem Boulevard spazieren führen, Hausfrauen, die einkaufen gehen.
Ich gehöre zu diesem Milieu, ja, zu diesen Leuten, die man die braven nennt.
Aber ich kenne auch die anderen, jedenfalls so gut, daß zwischen ihnen und mir eine persönliche Beziehung entstehen konnte. Wenn ich an den billigen Brasserie-Mädchen auf der Place de la Republique vorbeigehe, wissen sie, daß ich ihre Sprache und den Sinn ihres Tuns verstehe. Der Gauner, der sich vor mir durch die Menge schlängelt, weiß es auch.
Und alle anderen, denen ich jemals begegnet bin, denen ich Tag für Tag in ihrer intimsten Sphäre begegne, wissen es ebenfalls.
Genügt das, damit eine Beziehung entstehen kann?
Es geht mir nicht darum, sie zu entschuldigen, ihr Verhalten zu billigen, sie reinzuwaschen. Es geht mir auch nicht darum, sie mit Gott weiß was für einem Glorienschein zu umgeben, wie dies eine Zeitlang Mode war.
Es geht darum, daß man sie als eine Tatsache hinnimmt, daß man sie mit dem Blick eines Menschen betrachtet, der sich auskennt.
Ohne Neugier, weil Neugier schnell verfliegt.
Ohne Haß natürlich.
Sie also eigentlich als Menschen zu betrachten, die nun einmal existieren und die man um der Gesundheit der Gesellschaft, um der bestehenden Ordnung willen in bestimmten Schranken halten und bestrafen muß, wenn sie die Schranken überschreiten.
Sie wissen das selber genau. Sie nehmen es uns nicht übel.
>Es ist schließlich Ihr Beruf<, pflegen sie uns zu sagen.
Was sie im übrigen von diesem Beruf halten, will ich lieber gar nicht wissen.
Ist es ein Wunder, daß man nach fünfundzwanzig oder dreißig Dienstjahren etwas schwerfällig daherschreitet und noch schwerfälliger, ja manchmal sogar leer dreinblickt?
>Ekelt es Sie nicht manchmal an?<
Nein! Das ist es eben! Wahrscheinlich habe ich mir in meinem Beruf einen ziemlich handfesten Optimismus zugelegt.
Ich könnte auch einen Lieblingsausspruch meines Religionslehrers abwandeln und sagen: Wenig Wissen entfernt uns vom Menschen, viel Wissen führt uns zu ihm zurück.
Gerade weil ich jede Art von Schmutz gesehen habe, ist mir klar geworden, wie viel schlichte Tapferkeit, guter Wille oder Ergebung das Unsaubere aufwiegen.
Durch und durch verkommene Menschen gibt es selten, und von denen, die ich gekannt habe, bewegten sich die meisten leider außerhalb meiner Reichweite, außerhalb unseres Arbeitsbereichs.
Was die anderen Übeltäter betrifft, so habe ich mich bemüht zu verhindern, daß sie zu viel Unheil anrichteten, und irgendwie dafür gesorgt, daß sie für das, was sie angerichtet hatten, auch bezahlten.
Damit, scheint mir, geht die Rechnung auf.
Wozu darauf zurückkommen?"

Maigretstatue in Delfzijl (Holland), dem Ort, an dem Simenon seinen ersten "Maigret" schrieb

"Maigret wollte soweit kommen, dass er sozusagen in Schleppkähnen [und deren extrem geringen Geschwindigkeit] dachte"

"Simenon hat den archetypischen Polizeidetektiv des 20. Jahrhunderts geschaffen."

Julian Symons

"Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Devise des richtigen Maigret zu übernehmen: >Alles verstehen und nicht urteilen ...<"

Le Nouvel Observateur

"Ich für meinen Teil ziehe den Simenon der Maigrets vor. Und zwar vor allem deshalb, weil Simenon einen gewaltigen Sinn für das Böse hat, und in den Maigret-Romanen wird das ausgeglichen durch den grundgütigen Maigret und seine Frau, so daß wir nicht mit einem so einseitigen Bild vom Leben entlassen werden."

J. B. Priestley

"Seit 1930, als Maigret in dem Roman >Pietr der Lette< auftaucht, erleben wir, wie er immer lebendiger, menschlicher und wirklicher wird."

Leonardo Sciascia

"Maigret gehört längst zum Personal der Weltliteratur."

Jürg Altwegg

"Weit eher Privatdetektiv denn Polizist, Psychologe denn Spürhund, studiert er des Lebens finsterste Seiten - und bleibt dabei doch Menschenfreund."

Frauke Döhring

"Maigret, das könnten Simenon Fingerspitzen sein, oder sein Barthaar: Wie ein Kater tastet und schnüffelt er sich in einer neuen Umgebung behutsam vorwärts, bevor er seinen Verstand zu brauchen beginnt, und selbst dann ist es nicht der Verstand eines Polizeibeamten."

Patricia Highsmith

"Maigret - der Seelenpolizist."

Cercle du Bibliographie


Simenonseiten im Internet:

umfassendste deutschsprachige Seite

(und allemal die beste im gesamten Internet)

umfassendste englischsprachige Seite

Georges-Simenon-Gesellschaft

 
PS: Simenon ist nicht nur (angeblich?) der meistverlegte, sondern auch (angeblich?) der meistverfilmte Autor des inzwischen letzten Jahrhunderts.

Es gibt da eine Menge berühmter Verfilmungen der Maigretromane:

  • mit dem ansonsten allemal

(insbesondere mit Simone Signoret in der Verfilmung von Simenons grandios-bitterbös bzw. erbarmunglos-resignierten Buch "Die Katze")

bewundernswerten Jean Gabin

  • in der deutschen Version mit meinem innigst geliebten Heinz Rühmann (als Maigret allerdings eine haarsträubende Fehlbesetzung; dafür aber erstklassig in der Verfilmung des Simenon-Romans "Es gibt noch immer Haselnusssträucher").

Und dennoch sind die meiner Meinung  allerbesten Maigret-Verfilmungen die mit Bruno Cremer, womit nicht die manchmal haarsträubend verfremdeten (verkorksten) Plots gemeint sind, sondern die leise, un-machohafte Art, in der Bruno Cremer Maigret spielt.