anschauliche
Unendlichkeit
"... wie Sterne am Himmel" ist etwa gleichbedeutend mit "... wie Sand am Meer".
Nur scheinen mir (heutzutage) beide Vergleiche wenig erhellend zu sein:
Mag sein, dass früher galt:
"In klarer mondloser Nacht sieht man am Himmel ca. 2400 Sterne, durch die wie ein Silberband die Milchstraße verläuft."
(Quelle:
)
Heutzutage sieht man in erleuchteten Städten nachts nur noch einen Bruchteil dieser 2400 Sterne - und "das Silberband der Milchstraße" überhaupt nicht mehr.
Die "Milchstraße" heißt eben so, weil sie mit bloßem Auge wie ein milchiges Kontinuum aussieht, aber keine Einzelsterne zu erkennen sind
(weshalb man lange Zeit auch gar nicht wusste, dass sie aus Einzelsternen besteht).
Genauso sind Sandkörner viel zu klein, als dass man sie im Regelfall als Einzelteile wahrnimmt. Bezeichnend finde ich ja schon allein, dass es gar kein eigenes Wort für die
(wie Elektronen ununterscheidbaren)
Einzelpartikel, sondern nur eines für das Kontinuum (Sand) gibt.
Wenn überhaupt, so muss das Kontinuum Sand in Einzelteile aufgelöst werden, und zwar am besten durch Bewegung (vgl.
):
![]() (Sand, der vom Wind in "Fahnen" über einen kilometerlangen Strand geweht wird) |
Oder man erzählt eine Geschichte: welch in der Summe unendliche (!) Kräfte müssen unendlich (!) lange gewirkt haben, um große Felsen zu den Unmengen an feinstem Sand, die es gibt, zu zermahlen!
Hier nun aber drei andere Beispiele für anschauliche Unendlichkeit, wobei im ersten ebenfalls die Bewegung eine große Rolle spielt:
Tierschwärme:
(wobei das "Ave Maria" hier doch arg dick aufgetragen ist)
(Ein schönes Beispiel für Spiralen ist nebenbei
; vgl.
;
und überhaupt ist natürlich das
Schwarmverhalten hochinteressant.)
eine unvorstellbar große und dennoch anschauliche Zahl:
schon Euklid hat mit einem relativ einfachen Beweis gezeigt, dass es unendlich viele Primzahlen gibt - also auch erheblich größere als die im Folgenden genannte:
die bislang (7/2008) größte bekannte Primzahl hat 9.808.358 Stellen
(sie ist nebenbei die
44. "Mersenne-Primzahl" und schreibbar als 232.582.657-1.)
Dabei ist aber "9.808.358 Stellen" genauso unvorstellbar-nichtssagend wie "232.582.657-1".
(Vgl.
"[Bill] Gates gilt nach neusten Einschätzungen mit einem Vermögen von etwa 58,0 Milliarden US-Dollar als drittreichster Mann der Welt."
[Quelle:
]:
das ist so irrwitzig viel, dass ich mir diese Dimension beim besten Willen nicht vorstellen kann - und auch nicht, wie man so viel Geld jemals "brauchen", also ausgeben könnte.)
Kümmern wir uns also nicht weiter um sowieso unvorstellbar große Zahlen, sondern um Einfach-Anschaulicheres:
die erste Seite des Ausdrucks "unserer" Primzahl sieht so aus:

Das sind schon Unmengen von Ziffern, die zudem völlig chaotisch aufeinander zu folgen scheinen. Und alle weiteren Seiten sehen zum Verwechseln ähnlich aus.
Deshalb sollen uns hier nicht die Einzelseiten, sondern nur (auf "Endlospapier") der Stapel aller Seiten interessieren:

Diesen Stapel sollte man wirklich mal anfassen - und hochheben: er wiegt 12 kg! Und diese 12 kg vermitteln eine Ahnung davon, was "unendlich" wiegt.
Ich habe schon viele Leute erlebt, die mit einem ironischen Unterton gefragt haben, wozu denn solch eine große Primzahl "gut" sei (nämlich zu nichts). Aber ich habe noch keinen erlebt, den die schiere Masse des Papierstapels kalt gelassen hat.
Nebenbei: schon allein die Zahl in der ersten Zeile der ersten Seite, also
124575026015369455400855501574799503122795985151151842843670475662591115235997397380559759606616845939100419886882111308706204284,
ist erheblich größer als die vermutliche Anzahl aller Atome im gesamten Weltall!
Der Gesamtstapel besteht aus 1585 Seiten, die auseinandergefaltet ein Papierband von Länge von 475,5 Metern länge ergeben!
Dieses Auseinanderfalten tue man tatsächlich mal - und spanne das Papierband (mehrfach!) durch sämtliche Schulflure.
Paradoxerweise wird hier das Unendliche gerade durch ein Zurechtstutzen aufs Endliche (475,5 m, 12 kg, ein Block mit den Maßen 14 cm x 46 cm x 30 cm) anschaulich.
PS: Das Kultusministerium müsste verpflichtet werden, jeder Schule pro Schuljahr einige Primzahlstapel zur Verfügung zu stellen.
Die Jagd nach den größten bekannten Primzahlen geht weiter:
| On August 23rd [2008], a UCLA computer discovered the 45th known Mersenne prime, 243,112,609-1, a mammoth 12,978,189 digit number! The prime number qualifies for the Electronic Frontier Foundation's $100,000 award for discovery of the first 10 million digit prime number. Congratulations to Edson Smith, who was responsible for installing and maintaining the GIMPS software on the UCLA Mathematics Department's computers. On September 6th, the 46th known Mersenne prime, 237,156,667-1, a 11,185,272 digit number was found by Hans-Michael Elvenich in Langenfeld near Cologne, Germany! |