
: in der guten
alten Zeit gab's an der Schule, an der ich früher Lehrer war, noch
"Projektwochen", in denen
einzelne Aspekte der Schulfächer ausführlicher und vor allem praktischer und anschaulicher erarbeitet wurden,
interdiziplinär gelernt wurde
und außerschulische Aspekte in die Schule geholt wurden.
Dafür, dass es die Projektwochen irgendwann nicht mehr gab, vermute ich folgende (gute!) Gründe:
vielleicht war die Luft raus, weil bereits alle Themen, die den Lehrern einfielen, abgegrast waren
(man könnte aber doch mal die Schüler fragen, welche Themen sie interessieren würden);
die Vorbereitung von Projektwochen war für Lehrer ein enormer Aufwand, der vorher zusätzlich zu den üblichen Belastungen zu leisten war;
der Lehrpläne sind (im Gegensatz zu früher) inzwischen derart vollgestopft, dass keine Zeit mehr für Projektwochen ist
der Nährwert der Projektwochen ist nicht "evaluierbar"
(wo kämen wir denn hin
, wenn die
Schüler einfach mal - Gott bewahre!: - Spaß an der Durchdringung
gewisser Themen hätten!?),
"Evaluation" bedeut heute aber vor allem (der Triumph der Mathematik:) Leistungsmessung - die die endlich mal möglichen Freiheiten von Projektwochen sofort wieder kaputt machen würde.
Projektwochen haben den Nachteil, dass sie im besten Fall höchstens einmal in einem Schuljahr stattfinden - und danach alles wieder beim Alten (klassischen Unterricht) bliebe.
Deshalb schlage ich ein anderes Modell vor:
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jede Schulklasse hat in jedem Schuljahr in jeder Woche z.B. zweistündigen Projektunterricht! |
Anders gesagt:

(Z.B. wird das Fach
Mathematik im 6.
Schuljahr mit 4 Stunden unterrichtet:
)
In dieser Version
bleibt die Stundenzahl der klassischen Schulfächer unverändert
(z.B. in der 5. Klasse insgesamt 29 Schulstunden pro Woche)
und kommen für die "Leiste" zwei Schulstunden hinzu
(so dass die Schüler in der 5. Klasse insgesamt 31 Schulstunden pro Woche haben).
Nun sind ja schon 29 Wochen-Schulstunden
(außer im Schulfach Sport!)
kognitive Berieselung für Fünftklässler (Zehnjährige!)
(also jeden Tag außer z.B. am Freitag sechs Schulstunden)
eine Zumutung
(weshalb ich in fünften Klassen oftmals etwa in der Stundenmitte kleine Spiele
[keineswegs nur für Kindergärten geeignet, sondern daran haben sogar aufgeschlossene Oberstufenschüler ihren Spaß]
und Dehnübungen eingebaut habe und manchmal mit den Schülern ums Schulgebäude gelaufen bin).
31 Wochen-Schulstunden
(an einem Tag sogar sieben Schulstunden)
wären für Fünftklässler aber erst recht eine Zumutung
(auch wenn in den zwei Schulstunden der Leiste keineswegs nur kognitive Berieselung stattfände).
Die Einführung der Leiste kann also nur bedeuten, dass die klassischen Schulfächer etwas von ihrem Besitzstand (Schulstunden) abgeben.
("Besitzstandsdenken" bedeutet aber, dass man keinen Millimeter von dem abgibt, was
da haben sich schon so einige Lehrerkollegien drüber
zerstritten:
.)
Am besten wäre es, wenn die Schulfächer reihum zwei Stunden an die Leiste abgeben würden. Wenn etwa die Mathematik dran wäre, sähe das z.B. so aus:
Ein zu großer Sprung?
Denn die Organisation der ununterbrochenen Leiste
in jeder Schulklasse
in jedem Schuljahr
in jeder Woche
wäre zweifelsohne mit einem enormen Organisationsaufwand verbunden!

Die Leiste muss es einem nur wert sein (man muss von ihr nur überzeugt sein), dann finden sich auch Wege, sie zu (neudummdeutsch:) "implementieren".
(Zum "Nährwert" der hier angedachten Leiste s.u.)
Und Miesmacher finden sich (in jedem Lehrerkollegium) natürlich immer:

Die Umsetzung der Leiste kann nur so funktionieren:
würde es sicherlich eines für alle Schuljahre zuständigen übergeordneten Leisten-Koordinators oder besser noch: einer Koordinationsgruppe bedürfen;
an diese Leute müsste man aber ein gehöriges Kontingent an neu zu schaffenden Entlastungsstunden verteilen
(und sie später vielleicht auch befördern).
(... und da Lehrer in mehreren Klassen unterrichten würden, wären sie dann auch für die Leisten in mehrere Klassen mitverantwortlich; es käme auf jeden Lehrer also erheblich Mehrarbeit hinzu, wofür auch wieder Entlastungstunden nötig wären).
Wie auch bei allen anderen schulischen Neuerungen bin ich auch bei der Einführung der Leiste natürlich rundweg dagegen, sie per ordre de mufti (= von oben herab) unerprobt und sofort für alle Schulen verpflichtend zu machen.
(es würden sowieso nur Schulen an der Erprobung des Leisten-Konzepts teilnehmen, deren Lehrerkollegien [genauer: eine solide Mehrheit] echtes Interesse hätten),
Jeder Folgeschritt würde überhaupt nur angegangen, wenn der vorherige Schritt positiv "evaluiert" (und gegebenenfalls nachgebessert) wurde - und zwar (was bei Schulprojekten selten ist) ehrlich
(wobei die Evaluation nicht [nur] in Leistungsmessungen bestehen dürfte, sondern z.B. auch zunehmende Schüleraktivitäten und schlichtweg "Spaß an der Freude" bei Schülern in die Bewertung eingingen;
und noch eins: die Schulbürokratie wäre beim Leisten-Konzept [endlich mal]
Nun bin ich ja nicht blöd:
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mit all den aufgezeigten Mehrbelastungen und nötigen Entlastungen ist mein Leistenvorschlag schlichtweg unrealistisch und somit schon a priori eine Totgeburt (aber man wird ja noch träumen dürfen):
(Nebenbei: Deutschland gibt im OECD-Bereich weit unterdurchschnittlich viel Geld für Bildung aus.)
(eine Utopie in Zeiten grassierenden Lehrermangels). |
Ich kann mir allerdings auch
(um des lieben Friedens willen)
eine abgespeckte Mini-Version des Leisten-Konzepts vorstellen
(die zudem den Vorteil hätte, dass man erst in einem
ausprobieren würde, was
später
[wenn die Lehrer erstmal Blut geleckt hätten]
vielleicht doch mal im Großen umgesetzt würde):
in jeder Schulklasse,
in jedem Schuljahr,
in jeder Woche
eingeführt,
sondern nur zeitweise in einzelnen
Klassen, wenn interessante und wichtige Themen anliegen
(z.B.
) - und die
Lehrer gute Einfälle haben.
Ich befürchte aber, dass dieses Mini-Konzept schnell im Sande verlaufen bzw. einschlafen würde
(u.a., weil sich keiner zuständig fühlt und viele Lehrer über ihre Fächer hinaus keinerlei für die Leiste nötige "verwertbare" Interessen und keine Phantasie für ein freieres Lernen haben).